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[Professor Dr. Max G. Huber wurde 1998 vom den damaligen Ministern für Äußeres und für Bildung und Forschung in Absprache mit dem DAAD zum Bundesbeauftragten für das internationale Hochschulmarketing eingesetzt. Als Vizepräsident des DAAD ist Prof. Huber schon seit vielen Jahren im Bereich der Internationalisierung der deutschen Hochschulen aktiv. Im "Hauptberuf" ist Prof. Huber Professor für Theoretische Physik und Leiter des Instituts für theoretische Kernphysik der Universität Bonn. Von 1992-1997 war Prof Huber Rektor der Universität Bonn.]

Traditionell waren deutsche Hochschulen das begehrte Ziel von Studenten aus aller Herren Länder. Überall auf der Welt trifft man Persönlichkeiten in führenden Positionen, die in Deutschland studiert oder geforscht und hier ihre fachliche Kompetenz erworben haben. Sie sind dadurch unserem Land, unserer Kultur und nicht zuletzt unserer Wirtschaft verbunden.

Allerdings verliert Deutschland im wachsenden, globalen Wettbewerb um internationale Studenten an Boden. Junge Führungskräfte aus Asien und Lateinamerika studieren heute ganz überwiegend in den USA, in Australien oder in Großbritannien, obwohl sie dafür meist kostendeckende Studiengebühren bezahlen müssen (18.000 bis 30.000 US-Dollar pro Studienjahr.

Um diesen Trend umzukehren ist es notwendig, neue Strategien zu entwickeln. So sollten die bestehenden Stärken des deutschen Hochschulsystems besser und professioneller im Ausland dargestellt werden (z.B. hohes akademisches Niveau, Einheit von Forschung und Lehre, eindrucksvolle Vielfalt der Disziplinen, attraktive Förderungsmöglichkeiten), zum anderen müssen neue attraktive Produkte angeboten werden, um für Ausländer das Studium im "Herzen Europas" attraktiver zu machen.

Es gibt hierzu bereits eine Reihe von interessanten Initiativen, wie z.B. englischsprachige Studiengänge, besondere Betreuungsleistungen für Ausländer, neue international kompatible Abschlüsse und Gastdozentenprogramme. Der Anfang ist gemacht, aber weitere Maßnahmen müssen folgen.

Dabei sind nicht nur die Politik und die Hochschulen aufgefordert, die Internationalisierung der deutschen Hochschulen zu beschleunigen, sondern auch die Wirtschaft sollte sich aktiv engagieren, etwa im rahmen einer Public-Private Partnership.

Wenn wir dem weltweiten Wettbewerb um die Besten der Welt tatenlos zusehen, lassen wir ganz bewußt unsere Zukunftschancen auf diesem Gebiet verstreichen. Für ein vom Export abhängiges Land wäre eine solche Entwicklung verhängnisvoll. "Qualified in Germany" muß wieder ein weltweites Gütesiegel werden.