BARBARA RITZERT:WEGE IN DIE WISSENSCHAFTSKOMMUNIKATION

ULRICH SCHELLER:VOM FORSCHER ZUM WISSENSCHAFTSKOMMUNIKATOR

Barbara Ritzert ist Geschäftsführende Gesellschafterin der ProScientia GmbH für Wissenschaftskommunikation. Sie erhielt mehrfach Publizistikpreise, u.a. für Arbeiten auf dem Gebiet der Gentechnik, Molekularbiologie und Immunologie.

F: Wie wird man überhaupt "Kommunikationsprofi"?

A: Ob Medienberufe erlernbar sind, oder ob Talent genügt, ist ein überflüssiger Streit. Beide Faktoren - Ausbildung und Begabung - müssen zusammenkommen. Allerdings: Um die wenigen guten Ausbildungsplätze und Stellen tobt ein harter Konkurrenzkampf.

Ähnlich wie für den Journalismus gilt auch für den PR-Bereich: Das Fachstudium ist nur eine von mehreren Voraussetzungen. Darüber hinaus sind erforderlich:

  • Kenntnisse der Kommunikationstheorie und Erfahrung in der Kommunikations- praxis

  • Journalistischer Background (mit den entsprechenden Fähigkeiten) und Kenntnisse der Medienlandschaft und der Arbeitsweisen der jeweiligen Medien (zumindest für jemand, der auch Pressearbeit machen will)

  • Managementfähigkeiten/Organisationstalent/Teamfähigkeit

  • Durchsetzungsfähigkeit und Diplomatie

Natürlich kommt es vor Allem auf das journalistische und kommunikative Können an, das Handwerk muß beherrscht werden. Dazu gehören u.a.:

  • ein Gespür für "Themen", die die Menschen interessieren

  • Kontakte knüpfen können

  • Recherchieren können

  • die Fähigkeit, komplizierte Informationen anschaulich, verständlich und spannend zu präsentieren

In allen Medienberufen gilt: Die wachsende Bedeutung von Internet- und On-line-Publikationen erfordert auch technische Kenntnisse in diesem Bereich.

Vor allem Berufsanfänger müssen die Bereitschaft haben, sich auf die formalen Anforderungen und organisatorischen Bedingungen der Medienwelt einzustellen.

F: Welche Einstiegs- und Ausbildungsmöglichkeiten gibt es während des Studiums?

A: Wer in einen Medienberuf will, sollte möglichst schon im Hauptstudium beginnen, das Handwerk zu erlernen und versuchen herauszufinden, ob sie/er für diesen Beruf begabt ist und ob er Freude macht. Dies ist etwa möglich durch

  • eine freie Mitarbeit bei einem lokalen Medium oder im PR-Bereich

  • ein Praktikum bei den genannten Medien oder in Presssestellen und PR-Agenturen.

Eine freie Mitarbeit bei der Lokalzeitung in meiner Universitätsstadt, um die ich mich selbst bemüht hatte, war beispielsweise die Voraussetzung dafür, dass ich nach dem Studium ein Stipendium der Robert-Bosch-Stiftung für Wissenschaftsjournalismus erhielt - eine Ausbildungschance, die für meinen spätere berufliche Entwicklung von großer Bedeutung war. Leider gibt es dieses Stipendium heute nicht mehr. Gleichwohl rutschen viele berufliche "Quereinsteiger" über Praktika und Hospitationen auch heute noch ins Geschäft.

Wenn man sicher ist, daß dies der richtige Weg ist, sollte man ausbildungsmäßig "nachlegen":

  • An vielen Journalistik- und Publizistikinstituten der Hochschulen gibt es spezielle Seminare für Journalismus und PR, die von Praktikern veranstaltet werden. Diese sind für alle Studienfächer zumeist zugänglich.

  • Journalistik- oder PR-Studium im Nebenfach (zumeist in der Publizistik oder bei den Kommunikationswissenschaften angesiedelt).

F: Welche Einstiegs- und Ausbildungsmöglichkeiten gibt es nach dem Studium?

A: Das klassische Volontariat ist für Journalisten nach wie vor die beste Ausbildung. Allerdings sind diese Plätze sehr rar. Die größten Chancen auf eine Volontärsstelle hat jemand, der in dem betreffenden Medium bereits ein Praktikum absolviert hat.

Eine Ausbildung an einer Journalistenschule, z.B. in München, Hamburg oder Berlin stellt hohe Anforderungen an die Allgemeinbildung und journalistische Phantasie bei der Aufnahmeprüfung! Es werden nur wenige Bewerber von mehreren hundert bis tausend Konkurrenten angenommen.

Darüber hinaus gibt es Aufbaustudiengänge für Journalismus oder Öffentlichkeitsarbeit an verschiedenen deutschen Universitäten.

Der Berufseinstieg ist heute wegen des hohen Konkurrenzdrucks nicht ganz einfach. Gleichwohl habe ich beobachtet, dass fähige und talentierte junge Kolleginnen und Kollegen immer einen Job gefunden haben, selbst wenn es nicht sofort auf Anhieb geklappt hat. Voraussetzung: Zielstrebigkeit, Lernbereitschaft, Hartnäckigkeit, Mut und Selbstvertrauen. Denn wer bei den ersten Absagen allzu schnell die Flinte ins Korn wirft, sollte sich ohnehin fragen, ob er die notwendigen Voraussetzungen für das nicht einfache Mediengeschäft mitbringt.

F: Was gehört zu den Aufgaben der Public Relations?

A: Das Arbeitsgebiet der PR ist weitaus umfangreicher als der Journalismus. Dazu gehören beispielsweise:

  • Entwicklung von Kommunikationskonzepten auf der Grundlage entsprechender Analysen

  • Entwicklung von Kommunikationsinstrumenten (Broschüren, Pressemitteilungen, Zeitschriften, Filme, Dia-Shows, On-line-Angebote)

  • Organisation von Pressekonferenzen und Veranstaltungen

F: Welche Arbeitsmöglichkeiten bietet der PR-Bereich?

A: Public Relations sind ein Wachstumsmarkt, der sich auch zunehmend diversifiziert. Wissenschaftskomunikatoren sind tätig in:

  • Abteilungen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Universitäten

  • Abteilungen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit außeruniversitärer Forschungseinrichtungen

  • Abteilungen für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden, Ministerien und Behörden und Industrie

  • PR-Agenturen

  • als selbstständige PR-Berater

F: Unter welchen Bedingungen arbeitet ein PR-Profi?

A: Wer im Kommunikationsbereich tätig ist, hat keinen geruhsamen 8-Stunden-Job und so gut wie nie einen pünktlichen Feierabend. Vor allem Freiberufler haben locker eine 60-Stunden-Woche, Arbeit am Wochenende ist oft unvermeidbar. Stressresistenz ist erforderlich, wenn das Telefon ständig klingelt, wenn Wissenschaftler dieses und Journalisten jenes wollen, wenn Redaktionsschüsse und andere Termine drängen, wenn Kommunikationsstrategien geplant, Pressekonferenzen organisiert, Informationen beschafft und alles möglichst "gestern" erledigt sein muss. Und dabei gilt: Unsere Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Geduld gibt es gratis dazu. Gute Nerven und Spaß am "organisierten Chaos" sind da schon nötig. Schließlich "bedienen" PR-Leute gleich zwei Publika, die von ihrer Bedeutung und Wichtigkeit absolut überzeugt sind. Zumindest darin unterscheiden sich Wissenschaftler und Journalisten an diesem Punkt überhaupt nicht. Und noch eine Erfahrung sei verraten: Während sich Wissenschaftler immer wieder über Journalisten und Journalisten sich immer wieder über Wissenschaftler ärgern können, sind PR-Leute vergleichsweise privilegiert: Sie dürfen sich gar nicht so selten über Wissenschaftler und Journalisten ärgern - allerdings zumeist klammheimlich, im stillen Kämmerlein und unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Also: wenn das keine tollen Aussichten sind!

Hilfreiche Literatur

  • Winfried Göpfert/Stephan Ruß-Mohl (Hrsg.) Wissenschaftsjournalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis List-Verlag

  • Walter Hömberg, Renate Hackel-de Latour (Hrsg) Studienführer Journalismus, Medien, Kommunikation UVK Medien Verlagsgesellschaft mbH