Tierversuche sind in vielen Gebieten der Lebenswissenschaften fester Bestandteil der Forschung. Sie gehören in etlichen Arbeitsgruppen zum Laboralltag und scheinen nicht selten sogar mit einer gewissen Routine verbunden. Andererseits empfinden zahlreiche Studenten, gerade wenn sie zum ersten Mal in ihrem Studium mit der Notwendigkeit des Tötens von Versuchstieren konfrontiert werden, Mitleid, Unsicherheit und nicht selten Gewissenskonflikte. Wie gehen junge Wissenschaftler mit diesen Empfindungen um? Peter Ansari, Doktorand am Johannes-Müller-Institut für Physiologie der Humboldt-Universität, Berlin, hat einige seiner Kommilitonen gefragt.

"Anfangs ist es mir schon schwer gefallen, die Tiere für meine Experimente zu töten. Aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt. Ich beschäftige mich eigentlich gar nicht mehr damit" sagt Claudia. Der Vorgang des Tötens wird von ihr, wie von einem Großteil der Beschäftigten verdrängt. Er ist zu einer rein mechanische Angelegenheit geworden, die mit keinerlei Reflexion verbunden ist.

Dies hat teilweise ganz praktische Gründe. "Für meine Experimente benötige ich frisches Hirngewebe. Das Gehirn ist das am besten versorgte Organ im Körper. Es ist deshalb zwingend erforderlich, das der Vorgang des Tötens schnell geht und die Gehirnentnahme zügig erfolgt." Weiß Roland. "Wenn ich mir bei jedem Experiment Gedanken über das Tier machen würde, könnte ich nicht so schnell arbeiten und würde vermutlich auch Fehler machen."

Es geschieht nicht oft, das ein "gestandener" Wissenschaftler bei dem Versuch die Notwendigkeit eines Tierversuches zu begründen in Gewissenskonflikte gerät. Das es jemanden Leid tut und er Mitleid mit den Tieren hat, hört man wohl eher während des Studiums als von jemanden, der sich für die Forschung als Beruf entschieden hat. Alle Befragten, egal ob erfahren oder Neuling, legten allerdings wert auf die Feststellung, daß sie nicht gerne Tiere töten, wobei die Hemmschwelle bei Insekten sicherlich am niedrigsten liegt.

Tierversuche werden mit nahezu sämtlichen Tierarten durchgeführt. Angefangen bei Fadenwürmern, über Insekten, Schnecken, Frösche, Vögel, Ratten bis zu den Affen. Grundsätzlich bereitet es Wissenschaftlern keine Schwierigkeit eine Heuschrecke, Biene oder eine Fliege für ein Experiment zu töten. Dabei ist nicht ganz klar, ob das lediglich an der nur entfernten Verwandtschaft oder am Fehlen von Blut oder sichtbaren Schmerzsymptomen liegt. Auch der Gesetzgeber berücksichtigt diese Wichtung übrigens und verlangt für das Experimentieren mit Wirbellosen Tieren lediglich eine Anzeige. Experimente mit Säugetieren müssen dagegen beschrieben und begründet werden. Die Forschung an Affen ist dadurch z.B. in Deutschland nahezu unmöglich geworden.

Der Umgang mit den zum Teil recht starken Gefühlen beim Töten der Tiere ist von Wissenschaftler zu Wissenschaftler sehr verschieden. Manche Wissenschaftler werden im Laufe der Zeit recht zynisch: "Ich finde es gar nicht so schlimm, Ratten für Experimente zu töten. Gemessen an dem, was sonst alles getötet wird ist das nur ein kleiner Beitrag. Vieles wird geschlachtet und nicht aufgegessen oder einfach überfahren."

Andere wiederum konzentrieren sich auf den Versuch und reflektieren eher sachlich über das Töten: "Bei mir findet die eigentliche Bewertung der Tötung erst nach dem Experimentiertag statt. Den Akt des Tötens nehme ich zwar als unangenehm war, allerdings beschäftige ich mich nicht mit dem Tier als Subjekt." Beurteilt Katharina ihre Arbeit. "Wenn allerdings das Experiment mißlingt und keine verwertbaren Daten produziert wurden, dann tut es mir schon ein bißchen leid für das Tier."

Obwohl in den letzten Jahren die Suche nach Ersatz für Tierexperimente einige Erfolge verbuchen konnte und etliche Versuche heute z.B. schon an Zellkulturen durchgeführt werden, erfordern manche Fragestellungen immer noch das Opfern von Tierleben. Tierversuche, einschließlich solcher, bei denen das Tier getötet wird, werden also sicher auch weiterhin Teil des Forschungsalltags bleiben und von jungen wie erfahrenen Wissenschaftler das Nachdenken über Notwendigkeit und Wert jedes einzelnen Versuches erzwingen.