Wolfgang Adamczak vom Forschungsreferat der Universität Gesamthochschule Kassel gibt praktische Tips zur Finanzierung der Promotionsforschung in Deutschland: Diese Woche: "Wie schreibt man eigentlich einen erfolgreichen Förderantrag?"

Ob Sie nun einen Antrag bei der Graduiertenförderung Ihrer Universität stellen oder einen an die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG für Ihre Betreuerin / Ihren Betreuer vorformulieren, das Grundprinzip ist immer dasselbe. Je klarer, präziser und systematischer Sie Ihren Antrag formulieren, desto besser können Sie Zugang zu denen finden, die über Ihren Antrag entscheiden sollen.

Hier ein paar nützliche Tipps:

  • Titel und Zusammenfassung sind sogenannte "eye-catcher." Mit Titel und "Abstract" können und müssen Sie das Interesse für Ihren Antrag wecken. Sind diese langatmig und/oder unverständlich, so schaffen Sie auch für den Rest des Antrages kein Interesse geschweige denn Wohlwollen. Sie sollten z.B. wissen, dass dem entscheidenden Gremium der DFG, dem Hauptausschuss, nur Abstracts der Anträge und die Gutachten der Fachgutachter zur Entscheidung vorgelegt werden.

  • Forschungsanträge, und zwar nicht nur von Nachwuchswissenschaftlern, lesen sich bisweilen so wunderbar wie ein Essay in einer Wochenzeitung. Dieser Schöngeist hilft aber leider nicht unbedingt weiter, insbesondere dann nicht, wenn beim entscheidenden Punkt, dem Arbeitsprogramm die Luft "dünn" wird. Es lohnt, hier einmal im Leitfaden für die Antragstellung der DFG nachzulesen:

    ''Die Qualität des Arbeitsprogramms ist für die Förderungswürdigkeit des Vorhabens von entscheidender Bedeutung. Seiner Darstellung sollten Sie besondere Aufmerksamkeit widmen. Als Anhaltspunkt kann dienen, dass sie in der Regel etwa die Hälfte des gesamten Antrages ausmachen sollte."
    Mit dem Arbeitsprogramm müssen Sie letztlich deutlich machen, dass es Ihnen gelungen ist, Ihr Forschungsziel zu operationalisieren. Es kommt eben nicht nur auf die Idee an, sondern vor allem auf die Fähigkeit diese in bearbeitbare und beantwortbare Fragestellungen, Thesen und Hypothesen umzusetzen.

  • Oft glaubt man, sein "überwältigendes" Fachwissen im Detail in einen Antrag einbringen zu müssen. Sie sollen mit einem Antrag (und das gilt auch für die zitierte Literatur) nicht versuchen um jeden Preis die eigene Belesenheit beweisen, sondern Ihre Fähigkeit das Wesentliche und Wichtige erkennen zu können. Auch hier sei noch einmal die DFG zitiert:

    ''Legen Sie bei Neuanträgen den Stand der Forschung bitte knapp und präzise in seiner unmittelbaren Beziehung zum konkreten Vorhaben und als Begründung für Ihre eigene Arbeit dar, mit Angabe der wichtigsten einschlägigen Arbeiten anderer Wissenschaftler."
    Verschwenden Sie nicht die Zeit von ehrenamtlich tätigen und selbst wissenschaftlich aktiven Gutachterinnen und Gutachter--diese müssen schließlich nicht nur Ihren Antrag durcharbeiten.

  • Zum Arbeitsprogramm gehört in der Regel ein Finanz- und Zeitplan (welches Arbeitsvolumen soll mit welchen Finanzmitteln in welcher Zeit realisiert werden, um das gesteckte wissenschaftliche Ziel zu erreichen). Ihr Antrag sollte insgesamt ''ehrlich" formuliert sein. Forschungsziel, Arbeitsprogramm, Zeit- und Finanzplan müssen die tatsächlichen Ziele und Notwendigkeiten beinhalten und konsistent sein. Je glaubwürdiger Sie nachweisen, warum bestimmte Gelder notwendig sind, desto schwieriger wird es für Gutachter Mittelansätze zu kürzen. Das bedeutet aber nicht, dass Ihr Antrag auch "bescheiden" sein muss!

Abschließend sei daran erinnert, dass das Arbeitsprogramm hat auch eine Zeitdimension. Das Wichtigste daran ist, dass ein Zeitplan nicht ein "taktisches Instrument" ist um Gutachter von der Konsistenz Ihres Antrages zu überzeugen. Vielmehr sollte das in einen Zeitplan gegossene Arbeitsprogramm auch gut sichtbar über Ihrem PC (und ja nach Bedarf auch zu Hause über Ihrem Bett) hängen. Sie organisieren sich damit eine schnelle Kontrolle über Ihren Arbeitsfortschritt und nehmen Verzögerungen schneller wahr.

Weiterführende Literatur/Hinweise:

Von Wolfgang Adamczak erschienen zu diesem Thema u.a. auch die beiden Broschüren:

  • "Ich will promovieren. Anregungen"

  • "Wie stelle ich einen Forschungsantrag?"

Weitere detaillierte Angaben, wie ein Antrag strukturiert sein sollte finden Sie auch im Leitfaden für die Antragstellung der DFG.

Ausführliche Informationen rund um die Forschungsförderung in Deutschland finden Sie auf den WWW Seiten des Forschungsreferates der Universität Gesamthochschule Kassel.