In der Diskussion um die Reform des deutschen Hochschulwesens haben sich die Hauptstreitpunkte klar herauskristallisiert: die Dienstrechtreform, die den Weg zu einer weitestgehend leistungsorientierten Bezahlung der deutschen Hochschullehrer ermöglichen soll sowie die Einführung der sogenannten Juniorprofessuren ( Next Wave Artikel). Aber obwohl es zwischen BA/MA-Studium und Juniorprofessur im deutschen Wissenschaftssystem noch erheblich mehr Reformbedarf gibt, haben andere Interessengruppen wie zum Beispiel die Promovierenden noch Mühe, ihre Belange ebenfalls deutlich nach außen zu vertreten und sich Gehör zu verschaffen. Doch das soll sich ändern.

?Gibt es zwischen BA/MA-Studium und Juniorprofessur keinen Reformbedarf im Wissenschaftssystem?" war dann auch die Kernfrage einer Podiumsdiskussion mit den bildungspolitischen Sprechern der fünf Bundestagsfraktionen letzte Woche in Berlin zu der die Promovierenden Initiative (PI) eingeladen hatte. ?Promovierende sind bisher bei der Erarbeitung der Konzepte des BMBF nicht berücksichtigt worden und in der Reformdiskussion spielen Vorschläge zur künftigen Struktur der Promotion eine untergeordnete Rolle", begründet Sebastian Haunss von der Promovierenden-Initiative den dringenden Diskussionsbedarf.

Die Promovierenden-Initiative PI ist ein Zusammenschluß von Stipendiatinnen und Stipendiaten aus der zehn großen deutschen Förderwerken (Kirchen, Parteien und Studienstiftungen). Sie wurde im Herbst 1999 gegründet mit dem Ziel gegründet, die Interessen der Promovierenden zu vertreten und dabei mit den Hochschulen, der Politik und der Gesellschaft zu kooperieren. Im Mittelpunkt der Diskussionsveranstaltung mit den Bundestagsabgeordneten in Berlin stand die Forderung nach der Einführung eines eigenen Status für Promovierende im Hochschuldienstrecht.

Solch ein einheitlicher Status für Doktoranden existiert in Deutschland bisher nicht, da die Ausgangsbasis für eine Promotion je nach Angestelltenverhältnis, Stipendien oder nebenberuflicher Erlangung des Doktorgrades sehr unterschiedlich ausfallen kann. Nach Ansicht der PI sollte eine Promotion im Beschäftigungsverhältnis erfolgen und somit zur Absicherung der Doktoranden beitragen: Wer in Deutschland nicht im wissenschaftlichen Angestelltenverhältnis, sondern als Stipendiatin oder Stipendiat promoviert, ist von der gesetzlichen Arbeitslosen- und Sozialversicherung ausgeschlossen, weil keine entsprechenden Beiträge entrichtet werden. Dies sei aber notwendig, so Haunss: ?Promovierenden steht nach Abschluß der Doktorarbeit in der Regel eine längere Orientierungsphase auf dem Arbeitsmarkt bevor." Hierfür müßten die Absolventen abgesichert und neben den geplanten Besoldungsstufen W3 bis W1 eine Stufe W0 für Doktoranden eingeführt werden.

Auch ergäben sich ohne festen Status viele Probleme im Alltag der Stipendiaten: Zugang zu Bibliotheken bliebe ihnen verwehrt, außerdem hätten viele keine geeigneten Ressourcen in Form eines Arbeitsplatzes und eines Computers zur Verfügung. Das Fehlen von speziellen Graduiertenprogrammen in Deutschland wurde als Nachteil gegenüber anderen Ländern, insbesondere im anglo-amerikanischen Raum, ebenso bemängelt wie das nach Ansicht der Promovierenden zu enge zeitliche Korsett für die Durchführung eines Promotionsvorhabens, das der Gesetzesentwurf vorsieht.

Die Bundestagsabgeordneten auf dem Podium übten sich als aufmerksame Zuhörer. Ulrike Flach (FDP), Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, betonte die Notwendigkeit des Dialogs: ?Wir sind heute hierher gekommen, um in erster Linie von ihnen zu hören, wo konkrete Probleme bestehen und um ihre Anregungen und Ideen mitzunehmen." Die Forderung nach der Einführung eines einheitlichen Promovierendenstatus stieß bei den Fraktionsvertreterinnen und -vertretern allerdings auf Skepsis. Der grundlegende Reformbedarf im Hochschulwesen wird hingegen von keiner Partei ernsthaft in Frage gestellt, vielmehr wurde der Ansatz, eine kostenneutrale Reform durchzuführen, über Parteigrenzen hinweg kritisiert.

Die Aussichten im Hochschulbereich sind gut: ?Durch die bevorstehende Pensionierungswelle in den nächsten zehn Jahren ergeben sich für den wissenschaftlichen Nachwuchs gute Möglichkeiten im akademischen Bereich. Allerdings müssen wir auf dem langen Qualifizierungsweg dieses Stadium künstlicher Infantilität abschaffen, in dem wir die Kandidaten durch das heutige Hochschulsystem halten", so Reinhard Loske, bildungspolitischer Sprecher der Fraktion Bündis 90/Die Grünen. Die Forderung nach einer gesetzlich verankerten Übernahmegarantie für Juniorprofessoren lehnte er ebenso ab wie die Mehrzahl der anderen Vertreter: ?Eine solche Regelung bedeutet keine Verbesserung gegenüber dem immer wieder kritisierten Status quo."

Eine spannende Fortsetzung der Diskussion ist zu erwarten - nicht zuletzt bei einer öffentlichen Anhörung im Ausschuß für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des deutschen Bundestages zur Reform des Hochschulwesens, die für September geplant ist.