Der OECD-Bildungsbericht enthält einen interessanten Vergleich: In 17 von 21 Industrienationen werden Studiengebühren erhoben. In diesen Ländern ist dennoch der Anteil der Studierenden deutlich höher als in Deutschland. Damit ist die Behauptung widerlegt, daß Studiengebühren vom Studium abschrecken. Wer immer in Deutschland erklärt, Studiengebühren seien ein Hindernis für die Entscheidung zum Studium, kann sich dabei nicht auf internationale Erfahrungen berufen. Hinzu kommt: Es ist unbestritten, daß der Geldbeutel der Eltern nicht ausschlaggebend sein darf für die Möglichkeit zu einem Studium. Tatsache ist aber auch, daß der Anteil der Studierenden aus sozial schwachen Familien in Deutschland kontinuierlich gesunken ist. Derzeit sind es 8 von 100 Studierenden aus sozial schwachen Familien. Das gebührenfreie Studium hat sich also nicht als Garant dafür erwiesen, daß allein die Begabung und nicht der Geldbeutel ausschlaggebend ist.

Eine isolierte Debatte über die Einführung von Studiengebühren angesichts der Fakten in anderen Ländern ist gewiß falsch. Wo Studiengebühren erhoben werden, besteht zugleich ein Stipendienwesen bzw. ein System der Bildungsfinanzierung über Darlehen. Beides steht in einen unlösbaren Zusammenhang. Außerdem muß das Angebot für Studierende, vor allem im Blick auf die Qualität der Lehre stimmen.

Die CDU spricht sich deshalb in ihrem Leitantrag Aufbruch in die lernende Gesellschaft für ein zukunftsweisendes Gesamtkonzept der Hochschulfinanzierung aus. Dazu gehören auch neue Ideen zur Finanzierung des Studiums. Studienwillige dürfen nicht vom Studium abgeschreckt werden. Die Sozialverträglichkeit der Studienfinanzierung muß gewahrt und die Qualität von Studium und Lehre verbessert werden. Die CDU im Bund und im Land Baden-Württemberg plant keine isolierte Debatte über Studiengebühren. Neue Wege der Studienfinanzierung zum Tabu zu erklären, ist aber ebenso falsch. Damit wird der Anteil Studierender aus sozial schwachen Familien nicht steigen. Der Wettbewerb über gute neue Ideen ist gefragt, ohne vorschnelle Tabuisierung von einzelnen Elementen. Nur dann werden unsere Hochschulen im internationalen Wettbewerb dauerhaft stark sein können, wenn es um die Attraktivität von Forschung und Lehre geht.