In last week's article, German Bundestag member Peter Eckardt of the Social Democratic Party (SPD) illustrated the major goals of current reforms in academics, especially the introduction of the junior professor position. This week, Hartmut Schiedermair, President of the German University Association (Deutscher Hochschulverband) since 1980, argues strongly that the federal government's reforms will do anything but help research in Germany.

Politik und Wissenschaft sind stets aufs Neue gefordert, exzellenten Wissenschaftlern bestmögliche Arbeitsbedingungen zu schaffen, damit Deutschland im globalen Wettbewerb bestehen kann. Der Deutsche Hochschulverband begrüßt daher nachdrücklich jede Initiative, die die Universität - besonders für herausragende Nachwuchswissenschaftler - attraktiv zu gestalten versucht.

Um eine solche Initiative soll es sich bei der von Frau Bildungsministerin Bulmahn angestrebten Reform des Hochschullehrerdienstrechts handeln, wenn man ihren eigenen Worten Glauben schenken will: Mit dem neuen Dienstrecht soll nach den Worten der Ministerin der Hochschullandschaft ein ?deutlicher Modernisierungsschub" gegeben werden.

Wie aber sieht der in diesem merkwürdigen Bild angekündigte "Modernisierungsschub" hin zu attraktiveren Bedingungen für den Beruf des Hochschullehrers tatsächlich aus? Bei der geplanten Reform sind zunächst zwei Teile zu unterscheiden: ein erster, der die Besoldung der Hochschullehrer neu regelt, sowie ein zweiter, der die Neugestaltung des Qualifizierungsweges für den Beruf des Professors vorsieht. Etwas vereinfacht stellt sich das neue Besoldungsmodell wie folgt dar: In Zukunft soll es für Professoren zwei Besoldungsstufen mit (Mindest-) Grundgehältern von 7.000 DM und W3 mit 8.500 DM geben. Hinzu kommen sollen variable Gehaltsbestandteile wie Leistungs- oder Funktionszulagen. Da die neue Besoldungsstruktur unter dem strikten Gebot der Kostenneutralität steht, müssen die variablen Gehaltsbestandteile zwangsläufig dadurch finanziert werden, daß die bisherigen Gehaltssteigerungen nach Altersstufen wegfallen und ?weniger leistungsstarke" Professoren über das gesetzlich garantierte Grundgehalt nicht hinauskommen.

Wenn es wirkliche, valide Kriterien für die wissenschaftliche Leistung gäbe, wäre das vielleicht noch hinnehmbar. Aber auch die für durchschnittlich oder überdurchschnittlich leistungsstarke Professoren in Aussicht gestellten Zulagen haben keine Bestandsgarantie, sondern können unter geänderten Voraussetzungen jederzeit wegfallen. Das gesetzlich garantierte Mindestgehalt wird daher das einzige sein, womit ein künftiger Professor im Blick auf seine Besoldung sicher rechnen kann. Einige Bundesländer haben bereits jetzt signalisiert, daß sie dieses Grundgehalt möglichst niedrig halten wollen. Ob ein Hochschullehrer hingegen von den verheißenen Leistungszulagen jemals einen Pfennig sehen wird, werden letztendlich die Finanzminister, und nicht die Wissenschaftsminister entscheiden.

Den zweiten Teil der Dienstrechtsreform bildet das geplante Modell des "Juniorprofessors", das Frau Ministerin Bulmahn als Ei des Kolumbus zur Gewinnung exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchses präsentiert. Die "Juniorprofessur" soll jungen Wissenschaftlern im Anschluß an die Promotion ein selbständiges, angeblich unabhängigeres Forschen und Lehren ermöglichen und auf dem beruflichen Weg zum Professor die Habilitation ersetzen. Dieses Modell, obschon als großartige Neuerung angepriesen, ist in den Universitäten sattsam bekannt: Es ist im Grunde nichts anderes als der Versuch, das in der Vergangenheit bereits gescheitertes Modell des "Assistenzprofessors" wiederzubeleben.

Der "Juniorprofessor" mag im Einzelfall sinnvoll sein; verschiedene Fächer erfordern aber verschiedene Qualifikationswege. Frau Ministerin Bulmahns Einheitslösung kann aber das Erfolgsmodell des wissenschaftlichen Assistenten nicht ersetzen: Nach Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes hat sich der wissenschaftliche Assistent mit der Habilitation in der Praxis als der schnellste Weg zum Beruf des Professors erwiesen. Die von Frau Ministerin Bulmahn erklärte Absicht, das Modell des "Juniorprofessors" an Stelle des wissenschaftlichen Assistenten einzuführen, hat daher zu Recht bereits heftigen Widerspruch nicht nur in den Bundesländern, sondern auch in den Fakultätentagen und Universitäten hervorgerufen.

Der "Juniorprofessor" wird im Gegensatz zum wissenschaftlichen Assistenten nicht in die gemeinschaftliche Arbeit der Forschungsteams in den Universitäten eingebunden sein. Niemand wird für ihn verantwortlich sein. Er wird aus dem gleichen Grund wie der damalige ?freischwebende Assistenzprofessor" scheitern. Darüber hinaus ist die Ausstattung und die Finanzierung der zukünftigen "Juniorprofessoren" ungesichert. Die angekündigte Anschubfinanzierung durch den Bund ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die in Aussicht gestellte Bezahlung des "Juniorprofessors" von 6.000 DM ist niedriger als der Lohn eines qualifizierten Facharbeiters. Auf dem freien Markt im In- und Ausland, aber auch an den Hochschulen im Ausland bestehen erheblich bessere Karriereaussichten für junge Spitzenkräfte. Das Angebot des "Juniorprofessors" ist daher nicht geeignet, die besten Köpfe für die Universität zu gewinnen. Genau das Gegenteil wird eintreten: Sie werden abwandern und damit der deutschen Universität verlorengehen, während das Mittelmaß übrigbleibt. Der Deutsche Hochschulverband hält deshalb den Juniorprofessor als Einheitsmodell für schädlich. Sollte es Gesetz werden, wird dies die Universitäten nicht stärken, sondern schwächen.

Welches Fazit ist aus einer nüchternen Analyse von Frau Ministerin Bulmahns "Modernisierungsplänen" zu ziehen? Mit einer Erhöhung der Attraktivität des Professorenberufs hat dieses Gesetzesvorhaben in Wahrheit nichts zu tun. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Diese Reform ist eine Farce und ein Fiasko zugleich. Denn die Reform der Professorenbesoldung ist kostenneutral schon lange nicht mehr zu bekommen. Im Gesetzgebungsverfahren geht es nur noch um das Ausmaß der Einschnitte in die Besoldung und die Versorgung. Der Weg des wissenschaftlichen Nachwuchses zur ersten Professur wird unberechenbarer werden. Die geplante Abschaffung von Assistentur und Habilitation führt zwangsläufig zu einer Verringerung der Vielfalt von Qualifizierungsmöglichkeiten und zum Monopol des Qualifizierungsweges über die Juniorprofessur. Wie man die Attraktivität des Professorenberufs durch wettbewerbsfeindliche Regelungen erhöhen will, bleibt das Geheimnis von Frau Ministerin Bulmahn.

Der Deutsche Hochschulverband hat den Plänen des Bundesbildungsministeriums zahlreiche eigene Vorschläge entgegengesetzt, die aber in der Politik auf taube Ohren gestoßen sind. Kern unserer Vorschläge ist die Stärkung und der Ausbau der leistungs- und wettbewerbsfördernden Elemente des Berufungssystems, das sich international wie kein anderes System für die Messung individueller wissenschaftlicher Leistung und für die Förderung des wissenschaftlichen Wettbewerbs bewährt hat. Gleichzeitig fordert der Hochschulverband die Beseitigung wettbewerbsfeindlicher Elemente wie Altersgrenzen bei der Berufung, Berufungssperren oder Obergrenzen von Berufungsgewinnen. Um Anreize zur Verbesserung der akademischen Lehre einzuführen, haben wir die Einführung eines intelligenten, fächer- und veranstaltungsspezifischen Hörergeldsystems vorgeschlagen, das den studentischen Zuspruch zu Lehrveranstaltungen angemessen honorieren soll. Als immaterielle Anreize hat der Deutsche Hochschulverband etwa die Gewährung zusätzlicher Forschungsfreisemester oder die zeitweilige Absenkung des Lehrdeputats als Honorierung besonderer Leistungen vorgeschlagen. Entscheidend ist: Wir wollen die Honorierung der in einem echten Wettbewerb erbrachten wissenschaftlichen Leistung und keine Zuweisungen nach Gutsherrenart durch die Universitätsleitungen.

Im Blick auf den wissenschaftlichen Nachwuchs ist es das Ziel der Vorschläge des Hochschulverbandes, das viel zu hohe Alter von Wissenschaftlern bei ihrer Erstberufung auf eine Universitätsprofessur von derzeit durchschnittlich 41 auf das 35. Lebensjahr zu senken. Gleichzeitig sollen sie gewährleisten, daß die wissenschaftliche Qualifikation der zukünftigen Professoren auf Dauer gesichert bleibt und der wissenschaftliche Nachwuchs attraktive Rahmenbedingungen in der Universität vorfindet. Dafür ist eine Neugestaltung des Qualifikationsamtes des wissenschaftlichen Assistenten (C1) notwendig. Es muß eine Einstellungsaltersgrenze von 29 Jahren (mit Ausnahmemöglichkeiten z. B. aus Gründen der Familienförderung) sowie eine systemgerechte Besetzung dieser Stellen ausschließlich mit dem Hochschullehrernachwuchs eingeführt werden. Promotions- und Habilitationsverfahren müssen in Zukunft zügiger durchgeführt werden. Auch Überlegungen über eine Umfangbegrenzung von Promotions- und Habilitationsarbeiten sind sinnvoll.

Weitere Vorschläge sind eine verstärkte Eliteförderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sowie die Einführung von vorgezogenen Berufungen: Mit Vollendung des 62. Lebensjahres könnten Hochschullehrer auf eigenen Antrag von ihren amtliche Pflichten entbunden werden, um sich zum Beispiel ausschließlich der Forschung zu widmen. Auf diese Weise stünden dem Nachwuchs schon vor Erreichen der Altersgrenze des Amtsvorgängers attraktive Hochschullehrerstellen zur Verfügung.

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