This week, the German Bundestag's Commission on Education, Research and Technology Risk Assessment held a hearing on the federal government's planned reform of the German University Act (Hochschulrahmengesetz). All key players of Germany's academic community presented their arguments in a final showdown before the reform will go through the Bundestag. The reform's core point is the introduction of the so-called junior professor position to restructure the traditional German system that requires the Habilitation as door-opener to a full professorship. The junior professor position is also meant to attract more young foreign researchers to Germany.

Obwohl der eine oder andere geladene Experte die Gelegenheit zu verbalen Seitenhieben nicht ausließ und von ?Märchenstunden" seiner Kollegen sprach, war der Anlaß eher durchweg ernsthafter Natur:

Der Bundestagsausschuß für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung hatte in Berlin zu einer öffentlichen Anhörung zur geplanten Reform des Hochschulrahmengesetzes (HRG) geladen. Das Interesse war groß - schon alleine aus dem Grund, daß ?das Reformvorhaben über alle Parteigrenzen hinweg als sehr wichtig angesehen wird", wie die Ausschußvorsitzende Ulrike Flach (FDP) feststellte.

Versammelt in den ungewohnten Räumlichkeiten des Wirtschaftsministeriums hatten sich neben den Politikern, der Crème de la Crème des deutschen Hochschulwesens und seiner Interessenverbände auch eine Reihe interessierter Nachwuchswissenschaftler. Den Grund für das Interesse machten die Nachwuchswissenschaftler deutlich: ?Schließlich geht es hier um unsere Zukunft." Im Verlauf der Anhörung erlebten alle Anwesenden einen munteren Schlagabtausch der Argumente.

Kernpunkt war die von der Bundesregierung geplante Einführung der sogenannten Juniorprofessuren, die promovierten Nachwuchswissenschaftlern bereits in jungen Jahren selbständiges Forschen und Lehren ermöglichen soll. Sie dient damit dem Hauptzweck der angestrebten Reform - der Verjüngung und der Modernisierung des deutschen Hochschulwesens. Über dieses Ziel waren sich alle Anwesenden einig - am Weg aber, dieses Ziel zu erreichen, scheiden sich die Geister immer noch recht deutlich.

Die auf sechs Jahre angelegte Juniorprofessur steht im krassen Gegensatz zum traditionellen Weg zur Erlangung des Professorenstatus in Deutschland - der Habilitation. Ein Gegensatz, der in den Reihen der Wissenschaftler und ihrer Vertreter nicht unumstritten ist. Professor Hartmut Schiedermair, Präsident des Deutschen Hochschulverbandes, verankerte demnach seine fundamentale Kritik am HRG auch an diesem ?Quasi-Verbot" der Habilitation: ?Die Habilitation ist ein wesentlicher Bestandteil deutscher Forschungsleistung." Ebenso wie Prof. Manfred Erhardt, Generalsekretär des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, plädierte er dafür, statt einer Monopolstellung die Juniorprofessur nur ?im Wettbewerb mit anderen Modellen einzuführen."

Erhardt ergänzte, die Einführung dürfe nicht auf Kosten des Wegfalls von 6.000 C 1-Stellen ermöglicht werden. So stünde ein Juniorprofessor nach sechs Jahren Universitätszugehörigkeit schließlich mit leeren Händen da, weil es keine Möglichkeiten zur Überbrückung der Übergangszeiten zwischen Abschluß und Berufung auf eine Professorenstelle gäbe. Somit gliche eine Reform einem Schnitt ins eigene Fleisch, die Abschaffung der C 1-Stellen würde eine ?Reduzierung anderer Fördermöglichkeiten für den wissenschaftlichen Nachwuchs" darstellen, so Erhardt. Gegenwärtig besteht die Möglichkeit, die langen Berufungsverfahren nach abgeschlossener Habilitation durch C 1-Stellen abzufedern. Fehlende Übergangsregelungen für derzeitige Habilitanden wurden mehrfach im Verlauf der Diskussion bemängelt.

Was auch in vielen vorangegangenen Diskussionen bereits mehrfach zum Ausdruck kam, wurde an dieser Stelle noch einmal deutlich: Die geplante ?Kostenneutralität" der Hochschulreform kann sich schnell zum ?Casus knacktus" entwickeln. Da die Umsetzung nach Vorstellung (und Vorgaben) des Gesetzgebers ohne finanzielle Mehraufwendungen erfolgen soll, stellt sich natürlich die Frage, wie ein System mehr Anreize für den wissenschaftlichen Nachwuchs bieten kann, wenn nicht in größerem Umfang zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Die Argumente pro Habilitation stießen indes auf heftigen Widerspruch. Joachim Weber von der Hochschulrektorenkonferenz gab sich überzeugt, daß die Ausbildung zum Juniorprofessor anderen Qualifizierungswegen überlegen sein werde. Eine Abschaffung oder ein Verbot der Habilitation ließe sich im Gesetz nicht erkennen, so Weber. Prof. Hans Meyer von der Humboldt Universität Berlin pflichtete ihm bei: ?Die Ziele der Reform, die Verjüngung und Verselbständigung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind mit der Habilitation als ?Königsweg" nicht zu erreichen."

Meyer mahnte jedoch auch an, die Juniorprofessur attraktiv zu gestalten. Eine Chance auf eine anschließende Berufung müsse vorhanden sein. Prof. Karl Max Einhäupl, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, teilte diese Einschätzung. Ebenso sei seiner Ansicht nach eine attraktive Bezahlung notwendig, um wirklich die besten Nachwuchswissenschaftler, auch aus dem Ausland, anzuwerben. Einhäupl stellte heraus, daß die Einführung der Juniorprofessur dem Nachwuchs eindeutig bessere Chancen im Ausland ermögliche, dies aber nur bedingt ein Ziel der Reform sei: ?Die Nachwuchswissenschaftler sollen nicht alle langfristig ins Ausland gehen, sondern in Deutschland bleiben."

Ein weiteres Anliegen der Reform ist die Einführung eines Doktorandenstatus. Christiane Kerlen von der Promovierenden-Initiative wies darauf hin, daß die Promovierenden gegenwärtig alleingelassen würden. Außerdem sollten mehrere Wege zur Promotion möglich sein, anstatt einen Königsweg z.B. über Graduiertenkollegs vorzusehen. Unterstützung erhielt sie dabei von Einhäupl, der zu bedenken gab, daß neben der Einführung der Juniorprofessur auch attraktive Doktorandenprogramme erforderlich seien, um den Nachwuchs rechtzeitig zu fördern.

Der Bemerkung Erhardts, die Einführung der Juniorprofessuren sei frauenfeindlich, wollte sich Dr. Marianne Kriszio von der Bundeskonferenz der Frauen und Gleichstellungsbeauftragten allerdings nicht anschließen. Die Juniorprofessur werde den Frauen zwar nicht viel nützen, aber auch nicht schaden. Allerdings stellte sie klar: ?Die Statistiken belegen, daß das bisherige System den Frauen auf gar keinen Fall hilft."

So bleibt letztendlich abzuwarten, welchen Erfolg die geplante Reform des Hochschulrahmengesetzes mit sich bringen wird. Eins war bei der Anhörung klar erkennbar: noch herrscht über die Erfolgsaussichten große Uneinigkeit. Erfolge werden letztendlich aber nur erreicht, wenn sich alle Politiker und Experten auf das eigentliche Anliegen der Reform besinnen: Deutschlands wissenschaftlichen Nachwuchs nachhaltig zu fördern.

Übersicht über alle bisher im Rahmen der Debatte um die Hochschulreform erschienenen Artikel in Science's Next Wave.

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