Bildung, Wissenschaft und Forschung müssen auch in Deutschland internationaler werden. Dies ist nicht nur unabdingbar für die künftige wirtschaftliche und politische Stellung Deutschlands in der Welt, sondern hierin liegen auch große Chancen für die gemeinsame Entwicklung und Zusammenarbeit mit anderen Nationen und speziell den Schwellen- und Transformationsländern.

In einem vor der Sommerpause eingebrachten Antrag der Koalitionsfraktionen ?Die internationale Attraktivität und Leistungsfähigkeit des Wissenschafts- und Forschungsstandortes Deutschland für ausländische Studierende und junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschafter stärken" (Bundestagsdrucksache Nr. 14/6209) fordern die Koalitionsfraktionen von der Bundesregierung, dass alle verfügbaren Kräfte zur schnellen Umsetzung der dringend gebotenen Internationalisierung der deutschen Wissenschafts- und Forschungslandschaft jetzt mobilisiert werden.

Trotz der Terrorattacken in den Vereinigten Staaten und der Tatsache, daß einige der mutmaßlichen Attentäter an deutschen Universitäten immatrikuliert waren, hat der Senat der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) an die Politik appelliert, das geplante Zuwanderungsgesetz nicht auf die lange Bank zu schieben und neue Beschränkungen für Ausländer in das Gesetz aufzunehmen.

Auf keinen Fall dürfe es zu einer Erschwerung des Ausländerstudiums und der Tätigkeit ausländischer Wissenschaftler in Deutschland kommen. Die Hochschulen seien aufgrund ihres wissenschaftlichen Potentials prädestiniert, zu einer sachlichen und differenzierten Diskussion über die nach den Terroranschlägen aufgeworfenen Fragen beizutragen, so der HRK-Senat. Das Gremium forderte, den vom Bundesminister des Innern im August vorgelegten Entwurf eines Zuwanderungsgesetzes möglichst bald im Parlament zu beraten. HRK-Präsident Professor Dr. Klaus Landfried erläuterte das große Interesse der Hochschulen an einer verbesserten gesetzlichen Regelung: "In seinem Kernbereich wird das Gesetz die Regelungen für ausländische Studierender im Interesse Deutschlands deutlich verbessern: Eine Aufenthaltserlaubnis für die gesamte Regelstudienzeit wird endlich möglich, den Studierenden würde es wesentlich erleichtert, während des Studiums etwas Geld zu verdienen und nach dem Studium hätten die Absolventen endlich einen zeitlichen Spielraum, um in Deutschland ihre erworbene Qualifikation in einer Erwerbstätigkeit zu erproben."

Für Wissenschaftler und Forscher spielten die geplanten Neuregelungen für das Daueraufenthaltsrecht hochqualifizierter Arbeitskräfte eine besonders wichtige Rolle.

--Eick von Ruschkowski

Die Bundesregierung hat hierzu nach 1998 mit neuen Ideen, deutlich mehr Geld und viel Durchsetzungskraft neue Entwicklungen erfolgreich eingeleitet. Jetzt ist dazu auch eine konzertierte Aktion der Politik mit Wissenschaft, Wirtschaft und allen gesellschaftlichen Kräften notwendig. Andere Staaten, wie etwa die USA und Großbritannien, haben ihre Chance wesentlich früher erkannt und genutzt. Sie sind Deutschland damit einen bedeutenden Schritt voraus. Dies betrifft insbesondere die Situation von jungen Nachwuchswissenschaftlern, die Strukturierung des Studiums, die aktive Information und Beratung über Studien- und Forschungsmöglichkeiten, das Bildungsmarketing und die arbeitsmarktpolitische Integration erfolgreicher Absolventen und Wissenschaftler aus anderen Ländern.

Es ist deshalb gut, wenn in Deutschland zwischen Bund und Ländern übereinstimmend zwei neue Zielmarken entwickelt werden, nämlich die Steigerung der Zahl ausländischer Studenten um 50 Prozent und die Verdoppelung der Zahl deutscher Studenten, die in ihrem Studium Auslandserfahrung machen. Beide Entwicklungen gehören in einem nachhaltigen Zukunftskonzept zusammen. Gegenwärtig hat Deutschland nur sieben Prozent ausländische Studenten, nur fünf Prozent ausländische Professoren, nur fünf Prozent ausländische Doktoranden und nur zehn Prozent der deutschen Studentinnen und Studenten weisen in ihrem Studium Auslandserfahrung auf. Durch das neue BAföG gibt es auch hier eine Verbesserung, da dieses nun in das EU-Ausland mitgenommen werden kann. Die Mittel für die Internationalisierung von Forschung und Lehre sind von 1998 bis zum Haushaltsentwurf 2002 um 140 Prozent gewachsen. Es sind eine Fülle von gezielten Förderprogrammen aufgelegt worden, von den international ausgerichteten Studiengängen bis zu Graduiertenkollegs und einem neuen standardisierten Test für Deutsch als Fremdsprache.

Exzellente junge Spitzenkräfte aus aller Welt werden mit einem Fördervolumen von 170 Millionen Mark zusätzlich unterstützt. Kürzlich ist die konzertierte Aktion für ein internationales Marketing für den Bildungs- und Forschungsstandort Deutschland dazu gekommen, bei der der Deutsche Akademische Auslandsdienst im Konsortium ?GATE Germany" systematisch und professionell für den Hochschulstandort Deutschland werben wird.

Die Einführung international anerkannter Studienabschlüsse wie Master und Bachelor zeigt bereits Erfolge. Sie müssen bedarfsorientiert weiter gefördert werden. Die Juniorprofessur wird die Habilitation als Regelfall der Qualifikationsgrundlage für die Professur ersetzen und damit zur internationalen Kompatibilität des deutschen Bildungssystems beitragen. Außerdem sollen raschere wissenschaftliche Karrieren für junge Nachwuchswissenschaftler ermöglicht werden.

Die ?brain drain/brain gain"-Diskussion, die Fachmedien seit längerem beschäftigt, zielt nur bedingt auf die Hochschulreform. Die Internationalisierung lässt es nicht als wünschenswert erscheinen, einerseits deutsche Studierende und Examinierte in Deutschland halten, anderseits aber mangelnde Internationalität lediglich durch ausländische Spitzenkräfte ausgleichen zu wollen. Da im Bereich der Spitzenkräfte die Internationalisierung längst Realität ist, erscheint ein staatliches Eingreifen in diesen "Markt" weder als realistisch noch als wünschenswert. Ausnahmen sind bei der Gestaltung von Rahmenbedingungen wie Aufenthaltsrecht, Greencard etc. möglich. Man kann davon ausgehen, dass hoch begabte Studierende häufig von sich aus den Weg ins Ausland suchen. Diese Erkenntnis birgt jedoch auch die Möglichkeit, durch entsprechende Bedingungen und höhere Attraktivität ausländische Studierende für deutsche Hochschulen zu gewinnen. Hierzu können auch die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Neuregelungen für das Aufenthaltsrecht beitragen. Zudem sollte die politische Zielsetzung in Richtung eines ?brain exchange", also eines Austausches von Spitzenkräften, gehen. Auch die universitären Rahmenbedingungen, etwa die Betreuung der Studierenden, müssen dies fördern und sowohl für Deutsche wie Ausländer attraktiver werden.

Zusätzlich sollen mit dem Angebot von Studiengängen im Ausland die Studierenden erreicht werden, die das Lehrangebot deutscher Hochschulen nutzen wollen, aber aus unterschiedlichen Gründen ihr Land nicht verlassen wollen oder können. Das ist ein wichtiger Weg, um im Ausland selbst, insbesondere auch in Schwellenländern, für die dortige Entwicklung erforderliche Spitzenkräfte auszubilden und darüber zugleich eine Beziehung zu Deutschland aufzubauen. Damit wird gleichfalls ein weiterer großer Schritt zur Internationalisierung Deutschlands im Bildungs- und Forschungsbereich getan.