BACK TO THE FEATURE INDEX

Heinz Sielmann, bekannter Tierfilmer und Zoologe, wurde 1917 in Rheydt/Mönchengladbach geboren. Als er sieben Jahre alt war, zog die Familie 1924 nach Ostpreußen. Hier begleitete er seinen Vater häufig auf Exkursionen in die Natur und beobachtete schnepfenartige Wiesenvögel wie Kiebitz, Uferschnepfe und Bekassine. Die Mutter erkannte die große Begeisterung ihres Sohnes und schenkte ihm in der 11.

Klasse eine Mentor-Spiegelreflexkamera, mit der sie bereits früh die Weichen für seine Karriere stellte. Für Science's Next Wave beschreibt Heinz Sielmann, wie aus dem begeisterten Schuljungen einer der renommiertesten deutschen Tierfilmer wurde. 1994 gründete Heinz Sielmann gemeinsam mit seiner Frau Inge die Heinz Sielmann Stiftung. Unter dem Leitsatz ?Naturschutz als positive Lebensphilosophie" verfolgt die nahe Duderstadt (Niedersachsen) ansässige Stiftung das Ziel, Kinder und junge Menschen für einen aktiven Naturschutz gewinnen.

Für mich waren sie das Paradies auf Erden - die ostpreußischen Niederungen. Oft schlich ich mich schon vor dem Hellwerden zu vogelkundlichen Beobachtungen aus dem Haus und baute mir hierfür Verstecke. Die Faszination, freilebende Tiere wie mit einer Tarnkappe aus nächster Nähe beobachten und fotografieren zu können, wurde zu einer gefährlichen Ablenkung vom Schulunterricht.


Bald entstanden Fotos aus dem Leben der Schnepfenvögel, die die Fachkreise in Königsberg stark beeindruckten. So hielt ich als damals 20-jähriger vor der dortigen Gesellschaft der Freunde des Zoologischen Museums einen Vortrag über meine Entdeckungen auf den Haffwiesen. Hier lernte ich zwei Männer kennen, die auf meinen beruflichen Werdegang entscheidenden Einfluss hatten: Prof. Dr. Erwin Stresemann vom Museum für Naturkunde in Berlin, und Forstmeister Horst Siewert, Pionier von Filmen über die Verhaltensweisen von Tieren.

Inspiriert durch meine Beobachtungen in der Natur studierte ich neun Semester Biologie. 1938 machte ich mich daran, meine langjährigen Beobachtungen der Schnepfenvögel in meinem ersten Film ?Vögel über Haff und Wiesen", für den ich großen Beifall erntete, zu dokumentieren. Danach reihte sich ein Film an den anderen, zunächst für Schulen und Kino, später für das Fernsehen.

Tierfilmer zu sein ist ein Beruf, der oft voller Entbehrungen ist. Manchmal habe ich meine daheimgebliebene Frau anderthalb Jahre nicht gesehen. Oder das Essen: Auf der Antarktis-Expedition beschränkte es sich zeitweise auf Robbenfleisch. Dennoch bin ich froh, keinen anderen Beruf ergriffen zu haben.

Oftmals ist er auch sehr gefährlich. So wurden die Aufnahmen zu ?Herrscher des Urwalds", für den ich in Belgisch-Kongo Gorillas filmte, zu einer echten Herausforderung. Als wir im Busch unerwartet auf einen vier Zentner schweren Silberrücken stießen, griff er uns mit ohrenbetäubendem Lärm an. Das kraftstrotzende Tier kam, mit den riesigen Händen auf der Brust trommelnd, das rote Maul mit den kräftigen Zähnen weit geöffnet, auf uns zugerast. Mit knapper Not konnten wir uns rechtzeitig in unseren Jeep retten.

Aber ich will mit meinen Filmen nicht nur Verhaltensweisen von Tieren zeigen, sondern auch, dass wir die deutlichen Warnsignale von Mutter Natur beachten müssen. Mein Leben in der Natur hat mir gezeigt, dass wir uns der Natur, von der wir leben, mehr anpassen müssen. Wir müssen unsere Maßlosigkeit einschränken, denn wir sind dabei, unsere letzten Paradiese auf Erden zu zerstören. Dies brachte mich dazu, immer öfter zu aktuellen Naturschutzthemen Stellung zu nehmen. In meinen Filmen machte ich vermehrt auf drängende ökologische Probleme aufmerksam und zeigte, was wir tun können, um letzte Refugien zu bewahren.

Tiere zu filmen ist eine Passion. Alles in allem bin ich davon überzeugt, dass sich schon sehr früh die Weichen für diesen Weg stellen, denn man muss voll und ganz hinter dem stehen, was man tut - wie wohl in jedem Beruf, wenn man erfolgreich sein will.