Wer oder was ist die DFG eigentlich? Und welche Aufgaben nimmt sie wahr? Kaum vorstellbar, ein Großteil der Studierenden hat nur vage Vorstellungen, was sich hinter diesem Namen mit einem ? 1,2 Mrd.-Haushalt (2001) eigentlich verbirgt. Die Auseinandersetzung nicht nur mit der DFG, sondern der gesamten deutschen Forschungslandschaft, findet bei vielen erst mit der Einbindung in das Wissenschaftssystem statt, also nicht vor Beginn der Promotionsphase. Dabei kann frühzeitiges Interesse nicht schaden. Im Gegenteil: Es eröffnet eine Vielzahl von Perspektiven für die eigene Karriere. Selbst für viele Doktorandinnen und Doktoranden ist die DFG zu Beginn der wissenschaftlichen Karriere ein eher unbeschriebenes Blatt.

Der Abbau dieses Informationsdefizits zwischen (jungen) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der einen und den Wissenschaftsorganisationen auf der anderen Seite ist daher wichtig, aber keine Einbahnstraße. In den Zeiten eines bevorstehenden Mangels an qualifizierten Nachwuchskräften haben auch die Wissenschaftsorganisationen den Bedarf erkannt, auf ihre Zielgruppen zuzugehen und die Außendarstellung zu verbessern. Neben Informationsveranstaltungen an Universitäten nimmt das Internet dabei eine wichtige Rolle ein.

Den Internetseiten vieler deutscher Forschungseinrichtungen eilt leider ein Vorurteil voraus: Häufig seien Informationen über den Lebenslauf der Präsidenten und Vorsitzenden einfacher zu finden als die für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler relevanten Informationen -- die Förderprogramme. Daß dies nicht immer der Fall sein muß, beweist der neue Auftritt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG - http:www.dfg.de). Das Zauberwort heißt "Zielgruppenorientierung": Im Gegensatz zum bisher weit verbreiteten Ansatz, das Internetangebot aus Sichtweise der Organisation darzustellen, ist die nun gewählte Struktur klar auf die verschiedenen Zielgruppen der DFG ausgerichtet.

Die übersichtlich geordnete Homepage teilt die Inhalte der knapp 6.000 Internetseiten in fünf Hauptkategorien auf: Aktuelles/Presse, Förderung, DFG im Profil, Internationales sowie Wissenschaftliche Karriere. Diese Kategorien dienen auch gleichzeitig als Navigationshilfe in der Kopfleiste, während die linke Seitenleiste später die Unterrubriken angibt, die unter diesen Hauptkategorien zur Auswahl stehen. Weitere "Dauerkategorien", die in allerdings getrenntem Layout permanent in der Kopfleiste erscheinen, sind u.a. die Informationen zur Antragstellung und die Datenbank der geförderten Projekte "GEPRIS." Genügend Ansatzpunkte, um das oben angesprochene Informationsdefizit erst einmal wettzumachen. Einziger Kritikpunkt: Es bleibt unklar, nach welchen Auswahl- und Plazierungskriterien die fünf Hauptkategorien und die weiteren Kategorien (wie z.B. die Antragstellung) angeordnet wurden. Aber das ist vielleicht auch eine Geschmacksfrage.

DFG-Internetauftritt auf einen Blick

Homepage

Relaunch-Informationen

DFG-Profil

Nachwuchs

Förderung

GEPRIS (Projektdatenbank)

Antragstellung

Wer keine Lust hat, sich ausgiebig mit Geschichte, Aufgaben und Struktur der DFG auseinanderzusetzen, kann ganz schnell in der Rubrik " Die DFG in fünf Punkten" die wesentlichen Informationen nachlesen. Allerdings lohnt es sich, ausführlich mit dem DFG-Profil zu beschäftigen, um ein besseres Verständnis für die Organisation zu entwickeln. Bei einer späteren Antragstellung ist dies nicht von Nachteil. Wer hätte schon gedacht, daß die DFG insgesamt 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt?

Widmen wir uns aber den Rubriken, die für angehende oder junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am wichtigsten sind: neben der " Wissenschaftlichen Karriere" sind dies die " Förderung" und dazu noch die " GEPRIS"-Datenbank.

In der Rubrik "Wissenschaftliche Karriere" finden sich sämtliche Nachwuchsprogramme der DFG. Geordnet sind sie nach den Karriereabschnitten vom Studierenden bis zum angehenden Hochschullehrer (siehe nebenstehende Grafik).


Die Auswahl wird durch die direkte Verlinkung zu den einzelnen Förderinstrumenten vereinfacht. Wer sich noch auf unsicherem Terrain bewegt, kann zunächst den Karriereplaner der DFG in Anspruch nehmen, um zunächst weitere Informationen über die Laufbahnstationen nachzulesen. Hinter jedem Förderinstrument verbergen sich weitere Informationen und hilfreiche Links. Hier ist unter anderem zu erfahren, welche Bewerbungsprozeduren für die individuellen Instrumente erforderlich sind.

Während sich fortgeschrittene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler überwiegend direkt bei der DFG bewerben können, ist Studierenden und Doktoranden dieser Weg noch versperrt: Da die Förderung dieser Gruppen über DFG-Projekte oder Graduiertenkollegs stattfindet, werden diese Stellen über die jeweiligen Universitäten ausgeschrieben. Wer aber Interesse an konkreten Forschungsprojekten gefunden hat -- oder sich nur einen Überblick darüber verschaffen möchte --, landet beinahe automatisch bei " GEPRIS", der Datenbank der geförderten DFG-Projekte. Auch wenn die Orientierung trotz vorhandener Freitextsuche anfangs ein wenig schwer fällt, kann diese Datenbank wertvolle Hilfe bei der Suche nach einer Doktoranden- oder Postdok-Stelle sein. Die Graduiertenkollegs können z.B. nach einzelnen Wissenschaftsrichtungen durchsucht werden. Nicht selten findet man hier interessante Forschungsthemen und dann weiterführend auf den Seiten der Graduiertenkollegs ausgeschriebene Stellen.

Eine andere Art des Zugangs zu den Informationen erschließt sich beim Einstieg über die Hauptkategorie "Förderung." Hierbei finden sowohl die bereits genannten Fördermöglichkeiten für Einzelpersonen als auch solche Instrumente, die nur von Universitäten beantragt werden können (Graduiertenkollegs, Sonderforschungsbereiche, etc.), ihre Auflistung. Wieder verstecken sich hier hinter jedem Begriff Detailbeschreibungen, die weiterhelfen.

Irgendwann wird für alle Interessengruppen die Antragstellung an Bedeutung erlangen. In dieser Kategorie finden sich nicht nur die notwendigen Formulare zum Ausdrucken, sondern auch Informationen zum Begutachtungsverfahren sowie die Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis. Zusammen stellen diese Informationen zwar keinen Leitfaden zum Ausfüllen von Antragsformularen dar, bieten aber einen wichtigen Orientierungsrahmen.

Die Rubrik " Internationales" bietet Aufschluß über die internationalen Aktivitäten der DFG in europäischem und weltweitem Kontext. Stichwort Internationalisierung: Nach dem deutschen Relaunch wird der englische WWW-Auftritt derzeit überarbeitet und wird nach Auskunft der DFG in der ersten Jahreshälfte 2003 online gehen. Auf den aktuellen Seiten findet sich neben den Verbindungsbüros in Beijing (Peking), Moskau und Washington auch etwas für den Nachwuchs. Da sich die Förderaktivitäten der DFG nicht nur auf die Forschung im deutschen Raum beschränken, stehen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern eine Reihe von Förderinstrumenten offen, die einen von der DFG geförderten Aufenthalt im Ausland beinhalten. In diesem Zusammenhang gibt es sogar Informationen aus erster Hand: Ein Online-Forum bietet die Möglichkeit zum Informationsaustausch unter DFG-Stipendiatinnen und Stipendiaten. Da sich der Großteil für Forschungsaufenthalte in den USA entscheidet, dominieren Fragen zu dortigen Aufenthalten. Die Diskussionsbeiträge lesen sich wie ein Überlebens-Knigge: Wer Fragen zur Wohnungssuche, Autokauf oder Sozialsystemen und Steuern hat, findet hier mit Sicherheit eine Antwort. Das Forum scheint sich bewährt zu haben: Zukünftig will die DFG auf der Grundlage einer Nutzeranalyse weitere Dialog- und Interaktionsmöglichkeiten auf der Webseite einräumen. Außerdem soll es einen Online-Newsletter geben.

Fazit: Wer eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen will, kommt an der DFG nicht vorbei. Der Besuch des einfach, aber dadurch übersichtlich und freundlich gestalteten Webauftritts ist lohnenswert, die Informationen sachlich geordnet. Wer keine Antworten auf seine Fragen findet, hat noch eine weitere Alternative -- den Griff zum Telefonhörer, um bei der DFG in Bonn anzurufen.