DAS DOKTORAT-ARCHIV

W illkommen bei DoktoRat!

In meiner ersten Sprechstunde möchte ich heute folgende Fragen beantworten:

1. Bin ich mit 30 schon zu alt zum Promovieren?

- Oldie aus Oldenburg

2. Wo finde ich einen Überblick über Finanzierungsmöglichkeiten für mein Promotionsvorhaben?

- Abgebrannt aus Aachen

3. Gibt es einen Mustervertrag für Doktoranden und wenn ja, was für Rechte und Pflichten habe ich? - Pflichtbewußt aus Pforzheim

4. Wie kann ich den Kontakt zu Forschungseinrichtungen aufnehmen? Sind Blindbewerbungen empfehlenswert?

- Stellensuchend aus Stuttgart

5. Welche Fördermöglichkeiten bestehen gegenwärtig für Ausländer/innen, die in Deutschland promovieren möchten? (englische Anfrage)

- Interessiert aus Indien

 

Was ist DoktoRat?

Ich werde Wissenschaftlerin oder Wissenschaftler -- was nun? Zu Beginn der wissenschaftlichen Karriere gibt es eine Menge Fragen, aber wenig Antworten. Dieses Dilemma versucht DoktoRat zu beheben. Egal, was Euch als angehender/m Nachwuchswissenschaftler/in gerade im Zusammenhang mit Eurer Karriere beschäftigt -- DoktoRat wird versuchen, eine Antwort zu finden. Dabei hilft ein Team von Expertinnen und Experten bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft, der Volkswagen-Stiftung und der Koordinierungsstelle EG der Wissenschaftsorganisationen (KoWi).

Eure Fragen zur Forschungsförderung, zu Doktorvätern, zur Bewerbung auf Doktoranden- oder Postdok-Stellen, zu Auslandsaufenthalten oder anderen Themen nimmt DoktoRat gerne per Email unter doktorat@aaas.org oder aber per Post an Science's Next Wave, Stichwort: DoktoRat, Oranienburger Straße 13-14, 10178 Berlin, entgegen. Sämtliche Anfragen werden selbstverständlich vertraulich behandelt, die veröffentlichen Fragen werden anonymisiert.

DoktoRat erscheint gegenwärtig einmal monatlich bei Science's Next Wave Deutschland.

1. Bin ich mit 30 schon zu alt zum Promovieren?

Grundsätzlich ist man zum Promovieren nie zu alt. Ein guter Bekannter von mir hat sich mit 62 noch promoviert. Allerdings sollte sich jede/r die Frage stellen, wozu er oder sie promovieren möchte. Für eine wissenschaftliche Karriere gilt allerdings, daß ein Promotionsbeginn in jüngeren Jahren einen Vorteil gegenüber älteren Mitstreitern bedeutet. Das durchschnittliche Anfangsalter von Promovenden hängt vom jeweiligen Fach ab (in den Geistes- und Sozialwissenschaften sind sie in der Regel älter als in den Naturwissenschaften).

Bei vielen Ausschreibungen werden Altersgrenzen angegeben. Die Handhabung erfolgt inzwischen aber in der Regel flexibel. Wer also z.B. durch Ausbildungszeiten, Berufserfahrung, Betreuungs- oder Erziehungszeiten einen "Knick" im Lebenslauf hat, erfährt hierdurch keine Nachteile. Als Auswahlkriterium dient in erster Linie ein zügiges Studium, das eine gewisse Zielstrebigkeit erkennen läßt. Im Zweifelsfall kann ein Anruf bei der ausschreibenden Institution hilfreich sein, wenn sich Zweifel darüber ergeben, wie gewichtig das Auswahlkriterium Alter ist.

Die Europäische Kommission z.B. hat die Frage der Altersgrenzen bei Promotionen im Zuge des 6. Forschungsrahmenprogramms, das am 01.01.2003 in Kraft getreten ist, neu definiert. Mit dieser neuen Definition will die Europäische Kommission den verschiedenen beruflichen, persönlichen und wissenschaftlichen Werdegängen Rechnung tragen.

Unter dem speziellen Förderprogramm für die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses "Marie Curie-Maßnahmen" wird nun zwischen "early stage researchers" und "(very) experienced researchers" unterschieden. Doktoranden fallen in die erste Kategorie und können ihre Pomotionsvorhaben prinzipiell nur im Rahmen eines "host fellowships" durchführen, d.h. Bewerbungen erfolgen nicht bei der Europäischen Kommission, sondern bei der ausländischen Institution, die die Stellen zu vergeben hat. Mehr Informationen hierzu bei der Europäischen Kommission oder unter www.mariecurie.org.

zurück nach oben.

2. Wo finde ich einen Überblick über Finanzierungsmöglichkeiten für mein Promotionsvorhaben?

Zur Finanzierung eines Promotionsvorhabens gibt es verschiedene Möglichkeiten: Zum einen kann ein/e Doktorand/in bei der Universität oder Forschungseinrichtung direkt angestellt sein. Möglich ist aber auch eine Förderung über die sogenannten Begabtenförderwerke oder aber andere Stipendiengeber. Einen Überblick über die wichtigsten Forschungsförderungsprogramme in Deutschland und Europa mit Kurzbeschreibungen liefert www.juwi-web.de. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat außerdem eine umfangreiche Broschüre (im PDF-Format) über die Begabtenförderungswerke in Deutschland veröffentlicht.

Da die überwiegende Mehrzahl der Doktorandenstellen in Form von Stellenanzeigen ausgeschrieben wird, gibt es hierfür keinen umfassenden Überblick. Allerdings lohnen sich zwei Anlaufadressen, um herauszufinden, ob und wo es passende Doktorandenstellen geben könnte: Bei der Max-Planck-Gesellschaft in einer der International Max Planck Research Schools oder aber in einem der durch die DFG geförderten Graduiertenkollegs.

zurück nach oben.

3. Gibt es einen Mustervertrag für Doktoranden und wenn ja, was für Rechte und Pflichten habe ich?

Ein solcher Mustervertrag, der Standards der Doktorandenausbildung (z.B. Regelungen zu Lehrverpflichtungen, zusätzlichen Qualifikationsmaßnahmen für Doktoranden, Pflichten der/s Betreuers/in) festlegt, existiert bislang nicht. Besonders häufig wird er gerade von Doktorandinnen und Doktoranden eingefordert, die ihre Promotion extern oder aber als Stipendiaten anfertigen -- häufig sind sie nicht so intensiv in das Institut eingebunden wie festangestellte Promovenden. Und dann werden Defizite bei der Doktorandenausbildung am schnellsten deutlich.

Den großen deutschen Forschungseinrichtungen ist der Bedarf für eine derartige Regelung aber durchaus bewußt, und es wird überlegt, in nächster Zeit auf diese Thematik eine adäquate Antwort zu finden. Im Rahmen der europäischen Förderung durch das Marie-Curie-Programm ist seit 2003 ein Vertrag (personal career development plan genannt) zwischen Doktorand/in und der aufnehmenden Gastinstitution erforderlich. Allerdings gibt es auch hierzu bislang kein Muster.

Wer sich zu diesem Thema näher informieren oder auch engagieren möchte, sollte Kontakt zum Doktoranden-Netzwerk Thesis aufnehmen.

zurück nach oben.

4. Wie kann ich den Kontakt zu Forschungseinrichtungen aufnehmen? Sind Blindbewerbungen empfehlenswert?

Blindbewerbungen an Forschungseinrichtungen sind nach aller Erfahrung nicht besonders erfolgversprechend. Um Kontakt zu einer Forschungseinrichtung aufzunehmen, empfiehlt sich zunächst die ausführliche Recherche im Internet. Dabei ist wichtig zu wissen, daß es Forschungseinrichtungen gibt, denen eigene Forschungszentren angeschlossen sind (z.B. Max-Planck-Gesellschaft (MPG), Helmholtz-Gemeinschaft (HGF) oder die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL). Hinzu kommen Institutionen, die zwar in der Forschungsförderung tätig sind, aber keine eigenen Forschungseinrichtungen betrieben (z.B. die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder die Volkswagen-Stiftung.

Es ist also hilfreich, bei diesen und anderen Institutionen (Ergänzungen können bei www.juwi-web.de gefunden werden) herauszufinden, welche Forschungszweige betrieben bzw. gefördert werden. Mit ein bißchen Zeitaufwand lassen sich dann schnell Forschungszentren oder Projekte finden, in denen sich potentiell eine Promotion anfertigen läßt. Ist man soweit gekommen, sollte der nächste Schritt in jedem Fall die persönliche Kontaktaufnahme mit einer/m Wissenschaftler/in an diesem Institut sein, um sich umfassend über Forschungsschwerpunkte, Promotionsmöglichkeiten o.ä. zu informieren. Dieses Gespräch kann eine fruchtbare Grundlage für eine folgende Bewerbung auf eine Doktorandenstelle sein.

zurück nach oben.

5. Welche Fördermöglichkeiten bestehen gegenwärtig für Ausländer/innen, die in Deutschland promovieren möchten? (englische Anfrage)

Diese Anfrage erreichte mich aus Indien:

I am a final-year M.Sc. student in Environmental Science from the University of Calcutta, India. I have applied to a research centre in Germany to do my Ph.D. project and have already found a scientist who has agreed to supervise it. The topic of my work would be in the frame of "biolytic processes for pathogen removal in constructed wetlands." So, I want to apply for a fellowship/stipend being awarded to Ph.D. candidates who will work in German institutes. Please let me know the necessary information regarding the application and what to do next after getting the application form.

In your inquiry, you have indicated that a scientist has already agreed to supervise your Ph.D. project. You should discuss funding issues with your supervisor, as he or she should be aware that you probably cannot supply your own funding. The institute's acceptance of your project may also mean that the institute will fund you. If this is not the case, some support schemes for foreigners planning to do their Ph.D. projects in Germany exist. In your case, the most promising source would be the German Academic Exchange Service's scholarship database. If you enter information about your background, this database provides you with all the necessary information about available stipends or scholarships and the requirements for the application process.

zurück nach oben.