Wer sich -- wie ich -- rund zwei Jahre nach dem Diplom dazu entschließt, eine Doktorarbeit zu schreiben, steht vor vielen Fragen und Problemen. Man ist, sofern man nicht an der Uni arbeitet, völlig raus aus dem universitären Leben. Das letzte wissenschaftliche Arbeiten liegt auch schon lange zurück. Aber warum sollte es nur mir schlecht ergehen? Selbst wer sofort nach dem Abschluß eine Promotion anstrebt, steht plötzlich vor einer Vielzahl von Hürden und Schwierigkeiten. Aber -- keine Panik: In den heutigen Zeiten lassen sich beinahe sämtliche Probleme mit einem Ratgeber lösen, so daß man eigentlich nur in eine Buchhandlung gehen und aus der Vielzahl der Promotionsratgeber auszuwählen muß.

Ihr werdet wahrscheinlich schnell feststellen, daß der Markt an Promotionsratgebern sehr groß ist. Die Spannbreite reicht von der eher wissenschaftlichen Abhandlung über reine Bücher zu Stipendienmöglichkeiten bis hin zu regelrechten Motivationsbüchern. Daher möchte ich die Gelegenheit nutzen, einmal drei dieser Bücher näher zu betrachten:

Der " Promotionsratgeber" aus dem Verlag Oldenbourg erinnert von außen an ein stark wissenschaftliches Wirtschaftsbuch (die dieser Verlag auch tatsächlich häufig herausgibt). Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis verrät eine gewisse Treue zu dieser Verlagslinie: Themen wie ein Überblick über das deutsche Wissenschaftssystem, die rechtlichen Rahmenbedingungen einer Promotion, die Ausstattung des Computers oder die steuerliche Behandlung der Dissertation haben einen doch sehr abstrakten Charakter und sind meiner Ansicht nach nicht unbedingt notwendig, um einen praxisorientierten Ratgeber zu schreiben. Daneben finden sich dann allerdings auch eine Abhandlung über Finanzierungsmöglichkeiten und ein eher praktisches Kapitel zur Themenwahl, Zitiertechniken und der Veröffentlichung der Arbeit. Die zwei Kapitel zum Grundlagenwissen in Statistik und der Wissenschaftstheorie sind meiner Meinung nach ein wenig überflüssig, denn damit muß sich jeder Doktorand sowieso an anderer Stelle detaillierter auseinandersetzen. Die 50seitige Abhandlung hätte man lieber dazu nutzen sollen, um etwas über Motivationshürden oder Schreibblockaden zu berichten. Und ganz getreu einem wissenschaftlichen Buch gibt es am Ende eines jeden Kapitels detaillierte Literaturangaben.

Als sehr nützlich empfand ich allerdings das ausführliche Kapitel über die verschiedenen deutschen Forschungseinrichtungen und deren Finanzierungsangeboten für eine Promotion in Form von Graduiertenkollegs oder Stipendien jeglicher Art und die 60 Seiten über Literaturrecherche inklusive der Adressen von wichtigen Online-Datenbanken, Spezialbibliographien und besonderen Bibliotheken im Inland.

Das Inhaltsverzeichnis des Buches " Promovieren nach Plan" aus dem Ueberreuter Verlag liest sich dagegen wie der chronologische Ablauf einer Promotion: Einstiegsphase, Konkretisierungsphase, Forschungsphase, Erstellungsphase und Endphase. Vorab werden charakteristische Profile einzelner Promotionswilligen vorgestellt, so daß man sich selbst einer Gruppe zuordnen kann und dann in den folgenden Kapiteln jeweils bei seiner Gruppe nachlesen kann, welche speziellen Probleme hier auf einen zukommen können und wie man diese lösen kann.

Auch wenn sich die beiden (promovierten) Autorinnen die Mühe gemacht haben, insgesamt zwischen zwölf Gruppen von Promovierenden zu differenzieren (Arbeit und Promotion am gleichen Lehrstuhl, Promotion parallel zur Berufstätigkeit, "Vollzeit-Promotion" mit Stipendium, etc.) -- ich fand mich dort nicht wirklich wieder (Für die 13. Gruppe in der Neuauflage: Ich bin nach ein bißchen Arbeitserfahrung an die Uni zurückgekehrt, arbeite jetzt dort an einem Institut, lehre aber nicht und promoviere extern an einem anderen Institut, welches auch keinerlei Doktorandenseminare o.ä. anbietet). Die rund 30 Seiten des insgesamt 150seitigen Buches, die sich im Buch verteilt mit den Doktorandengruppen beschäftigen, zu denen man nicht gehört, sollte man dennoch nicht einfach überschlagen, da sich auch dort gute Tips finden lassen oder einem manchmal auch die Nachteile anderer Doktorandengruppen vor Augen geführt werden. Und plötzlich empfindet man seine eigene Position gar nicht mehr als so schlimm!

Das Buch umfaßt die breite Spanne der Promotionsprobleme vom Anfang bis zum Ende: Suche des Doktorvaters, Aufstellung von Arbeitsplänen, Eingrenzung des Themengebietes, Schreiben des Exposés, die eigentliche Erhebung und Auswertung, praktische Tipps zu Schreibhürden, Zitierweisen, Krisenzeiten und eine Vorbereitung zur mündlichen Prüfung.

In diesem Buch wird sehr viel Wert auf die Dissertation an sich gelegt, während z.B. Rahmenbedingungen wie die Finanzierung über Stipendienmöglichkeiten auf knapp fünf Seiten abgehandelt werden.

Das letzte Buch ?Der Weg zum Doktortitel' stammt auch aus der Feder einer ehemaligen Doktorandin und ist im Campus Verlag erschienen. Dieses Buch ist gefüllt mit praktischen Tips zum Projekt- und Zeitmanagement, der Themenwahl, Schreibproblemen und der abschließenden Präsentation der Arbeit. Anhand eigener Erfahrungen und mit Aussagen und Fallbeispielen anderer Doktoranden schildert die Autorin typische Schwierigkeiten und stellt verschiedene Lösungsstrategien vor. Die Ablegung destruktiver Selbstzweifel, die Aufwertung des Selbstwertgefühls, das problematische Verhältnis zum Doktorvater und die Promotion als Prozeß eigener psychosozialer Entwicklung ziehen sich dabei wie ein roter Faden durch das ganze Buch. Wer sich jetzt an einen psychologischen Ratgeber erinnert fühlt, hat nicht ganz unrecht: die Autorin kann nicht verbergen, daß sie fachlich dieser Richtung entstammt. Meiner Meinung nach hat die Autorin damit aber doch den Zahn der Zeit voll getroffen: Viele Doktoranden erfahren heutzutage kaum Unterstützung (und schon gar nicht seelischer Art) von ihrem Doktorvater, sondern sitzen alleine am Schreibtisch: Und dort beginnt man eher an sich und seinem Können zu zweifeln, als sich Gedanken über die richtige Zitierweise einer Internetquelle machen.

Gelungen ist auch das Kapitel über das wissenschaftliche Schreiben als kreativer Prozeß. Dieses Thema kommt an deutschen Universitäten (im Gegensatz zu angelsächsischen Universitäten) leider immer noch viel zu kurz. Mit der Vorstellung der klassischen Methoden des Clustering und Mind Mapping versucht die Autorin den Mangel an universitären Schreibkursen wettzumachen. Ein solcher wird natürlich nicht vollständig durch dieses eine Kapitel ersetzt, aber die Autorin gibt einen guten Einblick über diese kreativen Schreibmethoden. Die Lesbarkeit dieses Buches wird durch das ansprechende Layout mit deutlich abgegrenzten Fallbeispielen, Tips, wichtigen Punkten und Checklisten unterstützt.

Was bleibt nun als Fazit? Nach der Lektüre von drei Promotionsratgebern muß ich zunächst feststellen, daß ich keine entscheidenden neuen Erkenntnisse hinzugewonnen habe. Aber viele kleine Hinweise und Tips, die ich eigentlich auch schon lange weiß, wurden mir dagegen noch einmal deutlich vor Augen geführt. Und diese kleinen, oft so alltäglichen Dinge sind eine häufige Erwähnung wert, um das lang vorhandenen Wissen auch endlich in Handeln umzusetzen. Das Resultat war bei mir z.B., endlich mal einen strukturierten Arbeitsplan aufzustellen, der mir seitdem die Arbeit bzw. die Einteilung doch erheblich erleichtert.

Je nachdem, welches Problem einem gerade zu schaffen macht bzw. was man immer noch mal wissen wollte oder braucht -- es gibt auf alles eine Antwort in Buchform. Mein Tip daher (auch ein altbekannter Rat): auf alle Fälle in das Inhaltsverzeichnis der Bücher schauen und ein wenig drin rumblättern. Auf keinen Fall sollte man sich nicht einfach nur vom Titel zum Kauf hinreißen lassen. Zudem sollte man darauf achten, ob man in dem Buch seine eigene Fachrichtung wiederfindet. Bei diesen drei Bücher war die Ausgewogenheit zwischen des Geistes- und Naturwissenschaften gegeben, aber es gibt viele Ratgeber, die sich sehr stark auf nur die eine oder andere Richtung konzentrieren.

Und in ganz tiefen Krisenzeiten kann man sich vielleicht daran erinnern, daß man nicht inkompetenter als andere ist, sondern nur die ganz normalen Ab- und Aufphasen des Doktorandendaseins durchmacht!

"Promotionsratgeber" von Andreas Preißner (Hrsg.), Oldenbourg Verlag, 2001, 300S.,

? 24,80 (ISBN 3-486-25554-1).

"Promovieren mit Plan" von Randi Gunzenhäsuer und Erika Haas, Ueberreuter Verlag, 2000, 152S., ? 15,90 (ISBN 3-8323-0626-9).

"Der Weg zum Doktortitel" von Helga Knigge-Illner, Campus Verlag, 2002, 204S.,

? 15,90 (ISBN 3-593-36811-0).