Dagmar Mirbach ist wissenschaftliche Angestellte im Philosophischen Seminar der Fakultät für Philosophie und Geschichte an der Universität Tübingen. Seit 1999 arbeitet sie dort an einem von der DFG geförderten Forschungsprojekt zu Alexander Gottlieb Baumgartens Aesthetica.Für Science's Next Wave berichtet sie über ihre Erfahrungen aus dem Seminar "Anstoß zum Aufstieg", das vom Center of Excellence Women in Science (CEWS) angeboten wird.

Auf die Trainingsseminare "Anstoß zum Aufstieg" des Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung (Center of Excellence Women and Science, CEWS) der Universität Bonn wurde ich zuerst durch eine Information seitens des Büros der Frauenbeauftragten der Universität Tübingen aufmerksam. Wissenschaftlerinnen aller Fächer, die eine akademische Laufbahn mit dem Ziel der Erlangung einer Universitätsprofessur anstrebten, waren aufgefordert, sich für eine Teilnahme am CEWS-Seminar "Anstoß zum Aufstieg - Karrierestrategien für Frauen in der Wissenschaft", zu bewerben.

Informationen: CEWS und "Anstoß zum Aufstieg"

Das "Kompetenzzentrum Frauen in Wissenschaft und Forschung" -- Center of Excellence Women and Science CEWS ist eine nationale Koordinierungs-, Informations- und Beratungsstelle mit internationaler Ausrichtung, das sich mit dem Thema der Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung befaßt und dabei wissenschaftliche und politische Institutionen, Frauen- und Chancengleichheitsbeauftragte sowie Wissenschaftlerinnen aus dem In- und Ausland berät.

Das vom BMBF geförderte und von L'ORÉAL unterstützte Programm "Anstoß um Aufstieg -- Karrierestrategien für Frauen in der Wissenschaft" läuft seit dem Sommer 2001. Bislang haben 36 Seminare mit über 500 Teilnehmerinnen stattgefunden, weitere Veranstaltungen sind in Planung. Interessentinnen können sich beim CEWS näher informieren und per E-mail Kontakt aufnehmen.

Die Bewerbungsunterlagen waren professionell zu gestalten: Lebenslauf, akademischer Werdegang, Verzeichnis der Publikationen sowie der sonstigen wissenschaftlichen Qualifikationen und Tätigkeiten. Eingereicht hatte ich meine Bewerbung im November 2001. Sodann freute ich mich, zum Seminar "Karrieretraining und Coaching für zukünftige Professorinnen" vom 18. - 20. November 2002 in Würzburg eingeladen zu werden. Die Finanzierung der Organisation des Seminars sowie der Honorare der Trainerinnen und Gastreferentinnen wurde vom CEWS übernommen. Auf die Teilnehmerinnen entfielen die Reisekosten sowie eine Konferenzpauschale, durch welche hauptsächlich die Unterbringung und Verpflegung in Würzburg gedeckt wurde.

Inzwischen war ein Jahr seit meiner Bewerbung vergangen. Unter dem Eindruck der Debatte um die inzwischen in Kraft getretene 5. Novelle des Hochschulrahmengesetzes trat ich die Reise nach Würzburg ohne größere Erwartungen an. Denn es war offensichtlich, daß die HRG-Novelle überaus problematisch für den wissenschaftlichen Nachwuchs sein würde und insbesondere Mittelbau-Angehörigen wie mir wenig Perspektiven für eine weitere universitäre Laufbahn offenließ.

Doch selbst wenn ich hochgesteckte Erwartungen gehabt hätte, wären diese vom CEWS-Trainingsseminar in Würzburg übertroffen worden.

Das Seminar wurde von einem kompetenten Expertinnenteam geleitet: Dr. Margarete Hubrath (Düsseldorf), Literaturwissenschaftlerin und Wissenschaftsberaterin, Franziska Jantzen (Bremen), Volljuristin und spezialisiert im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und Organisationsberatung, sowie Dr. Coletta Damm (Düsseldorf), Diplom-Psychologin und selbstständig tätig auf dem Gebiet des Coachings von Führungskräften, nahmen sich den Teilnehmerinnen an. Das dreitägige Programm des Seminars war konzentriert auf den Schwerpunkt "Berufungsverfahren" und umfaßte dabei in aufeinander aufbauenden Übungseinheiten zu den relevanten Schritten, wie die Präsentation der Bewerbungsunterlagen, den Bewerbungsvortrag und das Gespräch mit der Berufungskommission. Die Einheiten wurden von übersichtlichem Informationsmaterial begleitet. Übungen zur Erstellung des je eigenen Qualifikationsprofils und zum Zeitmanagement, ebenso wie individuelle Einzelcoachings bei Frau Dr. Hubrath oder Frau Jantzen, rundeten das Seminar ab. Ein Gastvortrag von Frau Prof. Dr. Trude Ehlert (Würzburg) bot die Möglichkeit, Fragestellungen zum Ablauf eines Berufungsverfahrens innerhalb der universitären und ministerialen Strukturen sowie zu den Folgen der HRG-Novellierung zu vertiefen.

Die Zusammensetzung der Gruppe war sehr gut getroffen. Alle 11 Teilnehmerinnen waren Geisteswissenschaftlerinnen vergleichbaren Alters, jedoch aus jeweils verschiedenen Fachbereichen, auf unterschiedlichen Stufen und mit verschiedenen Spektren ihres bisherigen wissenschaftlichen Werdegangs. Berührungsängste zwischen den Teilnehmerinnen waren schnell überwunden, was sicherlich auch auf die sehr gute Einführung in die Veranstaltung und die sensible Tagungsgestaltung durch die Seminarleiterinnen zurückzuführen war. Es kam zu einem sehr intensiven, produktiven Erfahrungsaustausch sowohl innerhalb der verschiedenen Gruppenarbeiten während der Übungen als auch im persönlichen Gespräch in den Pausen.

Das Seminar beruhte auf dem Konzept des "positive feedbacks". Die Zielsetzung war dabei, den Seminarteilnehmerinnen - sowohl in der Auseinandersetzung innerhalb der Gruppe als auch insbesondere im Hinblick auf die kritische Selbstreflexion - Strategien zu vermitteln, um eigene Stärken, aber auch Schwächen zu erkennen und in produktiver Weise in die persönliche Selbstwahrnehmung sowie in die Ausübung und weitere Planung der wissenschaftlichen Tätigkeit zu integrieren. Methodisch wurde dies z.B. mit auf Video aufgezeichneten Proben eines Vorstellungsvortrags oder eines im Rollenspiel nachvollzogenen Gesprächs mit einer Berufungskommission erarbeitet. Dieser von uns Teilnehmerinnen zunächst skeptisch betrachtete - da im akademischen Umfeld ungewohnte - Ansatz zeigte am Ende des Seminars seine Wirkung. Ich denke, wir alle haben das Seminar keineswegs mit mehr Illusionen, sondern eher mit einer geschärften Einsicht in das eigene persönliche und wissenschaftliche Profil, mit einer Grundausstattung des "Rüstzeugs" für den weiteren akademischen Weg und vor allem mit erneuerter oder wiedergewonnener hoher Motivation verlassen.

Ich persönlich habe im Seminar am meisten von der Aufstellung meines Qualifikationsprofils, den Möglichkeiten eines verbesserten Zeitmanagements und deren Diskussion im Einzelcoaching mit Frau Jantzen profitiert. Ganz besonders wertvoll war aber auch der Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen und ich freue mich, mit einigen von ihnen in weiterem Kontakt geblieben zu sein.

"The loneliness of the long-distance-runner" - um damit einen, vielleicht zentralen problematischen Aspekt einer wissenschaftlichen Laufbahn zu benennen - wurde im CEWS-Seminar in Würzburg in positiver, überaus konstruktiver und äußerst wirksamer Weise durchbrochen. Mein Dank gilt - stellvertretend auch für alle anderen Teilnehmerinnen - der hervorragenden Seminarleitung durch Frau Dr. Hubrath, Frau Jantzen und Frau Dr. Damm sowie dem CEWS für die Ermöglichung und Organisation dieser in der Förderung von Wissenschaftlerinnen vorbildhaften und wegweisenden Veranstaltung. Es ist zu hoffen, daß vom CEWS weiterhin Seminare in dieser oder ähnlicher Form veranstaltet werden und daß dieses Beispiel Schule machen wird.

Und vor allem, liebe Wissenschaftlerinnen und Mitstreiterinnen, nutzt solche Chancen!