An der Universität Hannover wird das Programm "Mentoring in Wissenschaft und Wirtschaft" bereits zum zweiten Mal durchgeführt, nachdem es im Jahr 2001 sehr erfolgreich gestartet ist. Das Mentoring an Hochschulen ist mittlerweile weit verbreitet und wird als Instrument zur Nachwuchsförderung -- insbesondere des qualifizierten weiblichen Nachwuchses -- in der Wissenschaft zunehmend eingesetzt.

Die Vorteile dieser Methode liegen klar auf der Hand:

  • die Mentee erhält eine individuelle, maßgeschneiderte Beratung und Begleitung bei den entscheidenden Schritten in ihrer Karriere

  • die Mentor/innen können ihr eigenes Netzwerk um wertvolle interdisziplinäre Kontakte erweitern

  • die Organisationen, Hochschulen wie Unternehmen, können engagierte Nachwuchskräfte nachhaltig an sich binden und

  • gesellschaftlich relevantes Wissen und überfachliche Kompetenzen werden bewahrt und weitergegeben.

Um diesen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, sind jedoch in Mentoring-Programmen verschiedene Elemente unabdingbar: eine zentrale Koordinationsstelle, die Unterstützung durch die Leitungsebene und eine sorgfältige Auswahl der Teilnehmenden.

Am Beispiel des Programms "Mentoring in Wissenschaft und Wirtschaft" für Frauen an der Universität Hannover kann dies im Einzelnen dargestellt werden.

Drei entscheidende Säulen tragen das Konzept:

1. Wissensmanagement in einer One-to-One-Beziehung

In den einzelnen Tandems begleitet und berät eine erfahrene Führungskraft eine Nachwuchskraft bei ihrer beruflichen Entwicklung über einen begrenzten Zeitraum.

Das heißt in der Praxis: Hier an der Universität Hannover arbeiten für neun Monate insgesamt 26 Studentinnen, Doktorandinnen und Habilitandinnen, insbesondere aus den naturwissenschaftlich-technischen Fächern zusammen mit ihren Mentor/innen aus Wirtschaft und Wissenschaft an der eigenen beruflichen Karriere. Sie treffen sich ungefähr ein bis zwei Mal pro Monat zu Gesprächen und halten sonst hauptsächlich über E-mail und Telefon Kontakt.

Die Auswahl der Mentees, die sich für eine Teilnahme bewerben müssen, die Zusammenführung der Tandems und die Organisation des Rahmenprogramms wird vom Gleichstellungsbüro koordiniert und findet in Kooperation mit verschiedenen anderen Institutionen der Hochschule statt, z.B. der Zentralen Einrichtung für Weiterbildung oder dem EU-Hochschulbüro Hannover/Hildesheim.

2. Rahmenprogramm: Know-How-Input

In der Programmlaufzeit findet in einem strukturierten Rahmen jeweils zielgruppenspezifisch die Vermittlung von sogenannten "Soft Skills" in Form von Seminaren, Workshops und Coaching-Einheiten statt. Im Vordergrund stehen dabei Themen wie

  • Projektmanagement

  • Präsentation

  • Self-Marketing

  • Drittmittelakquise

  • Verhandlungsführung

3. Networking

Bereits seit September 2001 gibt es für das Programm eine eigene Homepage. Die Gestaltung dieser Internet-Seiten ist die Projekt-Arbeit einer der studentischen Mentees, die diese gemeinsam mit ihrer Mentorin fertiggestellt hat.

Die aktiv Teilnehmenden haben darüber hinaus in Form eines gedruckten Newsletters ein Forum, sich selbst, den eigenen Arbeitsbereich und das eigene Unternehmen im Zusammenhang mit dem Mentoring-Programm vorzustellen. Die vierte Ausgabe ist im April 2003 erschienen und wird nicht nur hochschulintern, sondern auch an alle Ehemaligen des Programms und zahlreiche Unternehmen oder Einrichtungen mit Interesse an Nachwuchskräften in der Region verteilt.

Über eine Mailing-Liste können alle Teilnehmenden des Programms und Interessent/innen für zukünftige Programme - als Mentee oder Mentor/in - miteinander in Kontakt treten. Die elektronische Verschickung von Stellenangeboten, Veranstaltungen oder anderen Ankündigungen ist schnell, kostengünstig und fördert auch auf dieser Ebene den wichtigen Informationsaustausch. So werden zum Beispiel ebenfalls die regelmäßigen Treffen des "Mentoring-Stammtisches", der mittlerweile in Eigenregie der Teilnehmer/innen des ersten Jahrgangs entstanden ist, hier bekannt gegeben.

In der Folge der unterschiedlichen Veranstaltungen und Foren, bei denen das Konzept "Mentoring in Wissenschaft und Wirtschaft" vorgestellt wurde, wuchs auch das Netzwerk, welches sich mittlerweile zwischen den Organisatorinnen der verschiedenen Programme etabliert hat. Ein reger Austausch von Erfahrungen und Ideen findet auf dieser Ebene des Mentorings quer durch Deutschland statt: das so genannte "Forum Mentoring" tagt zweimal pro Jahr und bietet allen Teilnehmerinnen die Möglichkeit, sich über die unterschiedlichen Strategien, Hindernisse wie Chancen in der ganz alltagspraktischen Umsetzung von Mentoring an den Hochschulen auszutauschen. Der Kontakt kann über christine.kurmeyer@gsb.uni-hannover.de aufgenommen werden.

Fazit

Noch ist das Instrument Mentoring an Hochschulen als sinnvolle und wechselseitig fruchtbare Brücke zwischen Studium und beruflicher Laufbahn bzw. zwischen Hochschule und den Leitungsfunktionen in Wirtschaft und Behörden relativ neu und hat mit manchen Anfechtungen zu kämpfen - aus dem basisdemokratischen Lager kommt der Vorwurf der "Elite-Förderung" und von anderer Seite wird bemängelt, dass ausschließlich Frauen in den Genuss dieser Nachwuchsförderung kommen. Ziel des Programms "Mentoring in Wissenschaft und Wirtschaft" ist es daher auch, den Boden zu bereiten für eine rationale und realistische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten, die das Mentoring, wenn es in dieser Form eingesetzt und weitergetragen wird, bietet, und zu verdeutlichen, daß der doppelte Weg des Mentoring - die individuelle Beratung und das aktive Netzwerk - den Frauen auf Dauer bessere Chancen für eine gleiche Berechtigung auf Karriere, Familie und Anerkennung der persönlichen Leistungen verschaffen kann.

In den Zeiten des Gender Mainstreaming kann die Diskussion, warum es gesamtgesellschaftlich so wichtig ist, daß führende Positionen in Wissenschaft und Wirtschaft zu gleichen Anteilen von Frauen und Männern eingenommen werden, gern an anderer Stelle fortgesetzt werden.

Hier geht es zum Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin des Mentoring-Programms!